Dipl.-Ing. Johann Reisner

Kanal besser als Antibiotika

Was war der größte medizinische Fortschritt vom 19. Jahrhundert bis heute? So lautete die Frage, die das renommierte „British Medical Journal“ im Januar 2007 in seiner Print- und Online-Ausgabe stellte. Experten und Laien sollten darüber abstimmen, was sie für die größte Errungenschaft der Medizin seit 1840 hielten, dem Gründungsjahr der Medizinzeitschrift aus England. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Die meisten Stimmen (von insgesamt über 11.000) bekam aber keine sensationelle Nobelpreisentdeckung, sondern:
die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und die Entsorgung von Abwässern.

Die 10 wichtigsten Errungenschaften der Medizin:

  1. Wasserversorgung und Abwassersystem: Erst im späten 19. Jahrhundert machte sich die Wissenschaft klar, dass verschmutztes Trinkwasser zahlreiche Krankheiten verursachte. In Industrieländern entstanden Leitungssysteme für frisches Wasser und Abwässer. Dennoch: Nach Angaben der WHO haben immer noch über eine Milliarde Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Sogar 2,6 Milliarden leben ohne Abwassersystem.
  2. Antibiotika: antibiotics Die Entdeckung der Keimkiller verdankt die Welt einem unachtsamen Wissenschaftler. Alexander Fleming hatte in seinem Labor eine Petrischale mit Bakterien nicht gereinigt. Nun war darauf eine Substanz gewachsen, die die Erreger auffraß. Die Substanz war Penicillin, man schrieb das Jahr 1928.
  3. Anästhesie: anasthesia Bis 1846 hatten Mediziner keine wirksame Narkosemöglichkeit während einer Operation. Dann aber betäubte ein Zahnarzt aus Boston einen Patienten mit Äther und führte den ersten schmerzfreien Eingriff durch. Heute sind Anästhesisten mit die wichtigsten Menschen in jedem Operationssaal.
  4. Impfung: vaccination en ersten Impfstoff gab es schon 1796 gegen die Pocken. Seither hat die Medizin viele weitere Impfmöglichkeiten entwickelt, um Kinder und Erwachsene vor ansteckenden Krankheiten zu bewahren, etwa Kinderlähmung, Keuchhusten oder Masern. Heute forschen die Wissenschaftler vor allem nach einem Stoff, der Menschen vor dem Aidsvirus schützen kann.
  5. DNA-Entschlüsselung: Die Entdeckung der DNA-Struktur als Träger des Erbguts bildete 1953 die Grundlage für die gesamte Genforschung. Aus der Entschlüsselung der Gene erhoffen sich viele die großen medizinischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts.
  6. Keimtheorie: Louis Pasteur vermutete als Erster winzige Mikroorganismen als Auslöser zahlreicher Krankheiten. Heute kennt man eine Vielzahl unterschiedlicher Erreger und weiß, welche Erkrankungen sie auslösen.
  7. Die Antibabypille: Diese vollkommen neuartige Form der Empfängnisverhütung revolutionierte in den 60er-Jahren die Sexualität. Korrekt eingenommen, verhindert die Pille eine Schwangerschaft mit 99-prozentiger Sicherheit.
  8. Evidenzbasierte Medizin: Der Begriff entstand in den 90er-Jahren und umschreibt die Basis moderner medizinischer Therapien: Eine Behandlung erfolgt nach aktuellen Forschungserkenntnissen, den individuellen Daten des Patienten und den Erfahrungswerten des Arztes.
  9. Röntgen & Co.: 1895 erlaubten die ersten Röntgenaufnahmen einen Blick ins Körperinnere. Moderne bildgebende Verfahren wie etwa die Computer- oder Magnetresonanztomographie können (fast) jedes kleinste Detail des Organismus sichtbar machen.
  10. Computer: Mediziner speichern damit die Daten ihrer Patienten, tauschen sich mit anderen Experten aus und holen sich jede nur erdenkliche medizinische Information. Computer beziehungsweise das Internet ermöglichen aber auch jedem Laien Zugang zu mehr Informationen über Gesundheit, als man es noch vor zehn Jahren für möglich hielt.

Text: <http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zukunftsmedizin/news/medizin-umfrage_aid_122990.html>
Bild: welt.de